| Die Würde des Hundes

Die Würde des Lebens – ist für mich unantastbar.

Ich lebe mit meinen Hunden so, wie ich auch eine gute zwischenmenschliche Beziehung lebe. Das heißt nicht, dass ich meine Hunde "vermenschliche" – das ist für mich überhaupt auch so ein "Unwort" ich wünsche mir oft Menschen die viel menschlicher sind, ihren Gefühlen trauen, Gefühle zulassen, mitfühlen mit anderen Lebewesen. Das nennt man Empathie Es möge nur mal erwähnt sein: Hunde bringen das übrigens in unsere Beziehung mit – den Willen, eine gute gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen – zumindest wenn man sie so sein lässt , wie sie wirklich sind. Doch wie sollte es anders sein: Unangebrachtes Verhalten und ständige oder heftige Manipulation hinterlassen immer Spuren auf Körper, Geist und Seele – auch bei unseren Hunden. Die zum zum Teil nicht mehr löschbar sind und bis dahin, dass ein normales Hundeleben, in menschlicher Gesellschaft,  (fast) unmöglich wird. Doch dazu habe ich an anderer stelle schon mal was geschrieben:

Glaubst Du an das Gute im Menschen? (click)

Für mich ist das wichtigste in guten Beziehungen, dass ich so bleiben darf wie ich bin. Das Recht gestehe ich auch meinem Gegenüber zu. Immer frei – nach dem Motto:
"Meine Freiheit endet dort, wo die des anderen anfängt."

Da ich selbst ein Mensch bin und mit einem artfremden Lebewesen meine Leben teilen möchte, setzt das für mich voraus, das ich weiß worauf ich mich da einlasse:
Das Wissen, das wir unterschiedliche Sprachen sprechen und das wir vielleicht unterschiedliche Bedürfnisse haben und auch, dass es vielleicht nicht immer einfach ist – trotzdem lasse ich mich auf dieses Abenteuer ein., weil es meiner Seele gut tut…Hunde lieben ihre Menschen bedingungslos und genau das braucht meine Seele – oder ich als Person, um tiefen inneren Frieden zu spüren.

Doch diese bedingungslose Liebe und dieser Wille uns Menschen gut zu dienen beinhaltet eine große Verantwortung für uns als Partner: Selber bereit zu sein, auch mal einen Schritt zurückzutreten und zu schauen, was bringt mein Gegenüber mit – was muss ich "liefern“, damit er in unserer Beziehung genauso ein Glück erfährt wie ich selbst?! Wie weit kann ich ihm zugestehen er selbst zu sein, eigene Entscheidungen zu treffen was braucht er von mir, um zu zeigen was in ihm steckt.? Wo muss ich aufpassen, diesen Wunsch uns gut zu dienen nicht auszunutzen, für meine Zwecke zu missbrauchen? Ihn auf biegen und ja manchmal sogar brechen zu dem Lebewesen zu „machen“ der unserem Ego gut tut?

Mein Vater – ein alter Musher und Hundemensch, durch und durch –
hat letztens gesagt:
"Warum glauben eigentlich so viele Menschen Hunde seien ein weißes Blatt Papier, dass sie nach belieben mit ihrem Gedankengut bekritzeln, oder ihm mittels Schere, die Form geben können, die sie gerne hätten?"


Ich finde da steckt viel Wahrheit drin, anzuerkennen, dass jeder Hund eine Persönlichkeit hat und Fähigkeiten mitbringt, vielleicht einen schweren Rucksack aus seiner Vergangenheit trägt. Und anstatt ihn dann nach meinen Wünschen zu Formen – ihm Raum (Schutz und Sicherheit in meiner Obhut) zu geben gemeinsam diesen Rucksack anzuschauen und ihn ggf. neu zu schnüren, mit der Absicht, es für den Hund leichter zu machen? Mir ist unbegreiflich, warum so wenige Menschen Hunden nicht einfach die Zeit geben die es dauert um zu lernen:

  • was ich von ihm möchte?
  • welche Regeln es in meinem Haus und im Zusammenleben gibt?
  • meine Sprache zu lernen?
  • meine Emotionen einzuordnen
  • sich meinem Lebensrhytmus anzupassen? etcpp. und vielleicht das Wichtigste:
  • Vertrauenn zu haben – in mich und meine Liebe zu ihm.

Die Zeit die ich dadurch gewinne, kann ich im Prinzip für die selben Dinge sinnvoll zu nutzen:

  • Ich muss seine Sprache lernen, um eine gute Kommunikation herzustellen.
  • Ich brauche Zeit mein Gegenüber zu beobachten und immer besser kennenzulernen.
  • Ich brauche Zeit , um vielleicht manchmal tief durchzuatmen und Dinge die geschehen nicht sofort als Problem des Hundes zu klassifizieren, sondern viel mehr die Bereitschaft entwickeln, „Nicht nur gemeinsam Pferde zu stehlen , sondern auch den Dreck vom Hof zu schaufeln?“
  • Ich brauche Zeit, mich mit dem Hund auf Augenhöhe zu begeben und meine Welt durch seine Augen zu betrachten, um zu erkennen wo die Ursachen sind für auftretendes Verhalten liegen.
  • Ich brauche Zeit mich hineinzudenken in die Welt der Hunde, die meiner doch nicht gleich ist, obwohl wir uns seit tausenden von Jahren den selben Lebensraum teilen.
  • Ich brauche Zeit zu begreifen – wie anders und vor allem besser die Wahrnehmungskanäle unserer Hunde sind und was für mich vielleicht das Allerwichtigste ist:
  • Auch ich brauche Zeit, um zu Vertrauen: Das ist oft nicht einfach, ist liebevolles aufeinander zugehen, gewaltfreie Kommunikation und sich gegenseitig einen Gefallen tun, uns umeinander zu Sorgen in unserer schnellebigen Welt fast fremd geworden. Wir können kaum glauben, kaum zulassen, dass Hunde genau diese Aspekt mitbringen in unsere Beziehung, dass sie uns gut tun wollen und ihre eigenen Bedürfnisse ganz weit hintenan stellen. Sich manipulieren, ängstigen und gewaltsam behandeln lassen in den verschiedensten Formen von Trainings, um noch besser zu werden – uns noch besser zu tun. Noch besser dem Bild eines perfekten Hundes entsprechen – bis hin zu willenlosen Marionetten, abgeschnittenen Ohren und Ruten, tätowierten Körpern, abstrusen Kleidern und abartigen Gehorsamsübungen, viel zu hohen Verantwortlichkeiten – bis hin zu Lustobjekten …..

Ich kann gar nicht wirklich sagen, was das mit mir macht.
Es erinnert mich manchmal an – Sklaventum?
Ein Leben führen zu müssen, ohne Freiheit und Würde, als Preis für ein Zusammenleben in menschlicher Gesellschaft?
Ich glaube manchmal wir Menschen haben noch gar nichts verstanden.
Erkennen nicht unseren zugewiesenen Platz im Großen Ganzen – als Hüter und Bewahrer unserer Erde – nicht als ihr Bezwinger.
Wir müssen noch viel lernen – hoffentlich bleibt uns genügend Zeit?!

Ein Anfang könnte sein, in Frieden mit unseren Hunden zu leben
Und genau das braucht keine Methode, kein Schema F, oder 0815 Training und schon gar nicht manipulierte und aufgeplüschte Trainingsmethoden aus dem Mainstream…..
Es braucht nur Liebe – ein offenes Herz und einen wachen Geist….alles andere wird sich finden.
Mensch und Hund sind füreinander geschaffen.

In diesem Sinne – habe Mut, tritt einen Schritt zurück – und überdenke euer Zusammenleben :
Geht ihr einen friedlichen Weg, oder kämpft ihr noch?
Möchtest du wissen, wie du eure Probleme friedlich lösen kannst?
Melde Dich und ich unterstütze dich bei euren ersten, zuerst oft zögerlichen Schritten – so dass auch ihr schnellstmöglich euren Weg zur tiefen Freundschaft finden könnt.
Geht mit mir einen friedlichen Weg!

Eure Katrin

Danke, dass ich dabei sein darf und auch meine Gedanken zu diesem Thema Raum finden!

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blogparade 2018 zur Aktion „Tausche TV-Trainer-Ticket gegen Training“ der Initiative für gewaltfreies Hundetraining. Seit 2014 tauschen mehr als 150 TrainerInnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz gebrauchte TV-Trainer-Tickets für ein halbes Jahr nach der Veranstaltung gegen eine Gratis-Trainingsstunde. Nähere Infos zur Tausch-Aktion gibt es hier:

http://www.dogsinthecity.at/2018/03/15/die-fabel-von-der-ruhigen-energie/


https://www.gewaltfreies-hundetraining.ch/tauschaktion/

 

Dieser Beitrag wurde unter | Denk- würdig veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf | Die Würde des Hundes

  1. Ute Rott sagt:

    Ein wunderschöner Artikel, liebe Katrin.

    Ich wünsche dir viele schöne Hundebegegnungen mit freien Hunden, die nicht als Sklaven, sondern als Freunde und Partner bei liebevollen Menschen leben dürfen.

    Liebe Grüße aus der Uckermark

    Ute Rott

  2. Sue sagt:

    Fantastisch ! Klasse formuliert und ich hoffe das es viele Zweibeiner 😉 lesen @ Ich teile das mal.

    Herzlichst, Sue

     

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.