Rupert Tagebuch Kapitel 1

Was tun, wenn man einen Hund erwartet und einen "Pranha im Fell" bekommt. Umtaush ausgeschlossen.

Der Piranha im Fell.

Einer meiner ersten Gedanken war: Das kann ja „lustig“ werden!

Und hatte sehr gemischte Gefühle dabei, als Rupert am ersten Morgen lang auf
mir liegend, voller Überschwang die Vorderpfoten um meinen Hals legte, mir
quer übers Gesicht leckte und anschließend seine spitzen Milchzähne in meiner
Nase versenkte und nicht wirklich den Eindruck erweckte zeitnah ein anderes
Objekt der Begierde zu wählen.

Sanfte Collies gewohnt, war ich von diesem schmerzhaften, aber liebevollen und eindeutig herzlichen Liebesbeweis eines Terriers etwas überrumpelt.  
Zumal er total ausgeschlafen und ich mich noch im Tiefschlaf befand.

Von 0 auf 100 in 0,5 sek. !
Noch im Halbschlaf habe ich ihn nicht ganz fachmännisch,
aber wenigstens mit heiler Nase von mir abgepflückt.
Eine Hand in seinem Genick und die andere wohldosiert Druck auf
Lefzen und Zähne des Unterkiefers ausgeübt, um vorsichtig den Fang zu öffnen,
war in dem Moment das einzig mögliche, wirksame Mittel der Wahl.
 
Ungewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.

Aber, damit nicht genug:
In dem Moment wo ich Druck und Griff lockerte, schließlich wollte ich ihm
ja nicht weh tun,
ergriff  Rupert die Gelegenheit seine Zähne in meinen Unterarm zu schlagen,
ohne auch nur einen Hauch einer Beisshemmung erkennen zu lassen.
So gehandicapt blieb mir nichts anderes über, als mit einem gezielten
Griff über die Schnauze und erneutem Druck auf Lefzen und Zähne meinem
Arm zu retten.

So sanft wie möglich, aber auch so stark wie nötig.

Auf Schlag hellwach hat es trotzdem gefühlte 5 min gedauert bis ich ein
geeignetes Tauschobjekt gefunden und ihn davon überzeugen konnte
doch lieber den Stoff  – Spongebob zu „herzen“  als mich.
Alles reden, quitschen oder andere Lautäußerungen haben seine Attacken nur
kurzzeitig unterbrechen können und letztendlich hatte ich
den Eindruck ihn dadurch eher noch anzuspornen.

Das wichtigste war:

Selbst die Ruhe bewahren, tief durchatmen und denken!
Kurz gesagt: Impulskontrolle und zwar bei mir!!

Umlenken heißt das Zauberwort und Tauschgeschäfte helfen…. fast immer!

Denn was wäre passiert, wenn ich meinem ersten Impuls zu schimpfen und
zu strafen nachgegeben hätte?
Unser erste gemeinsame Nacht, in der Rupert sich vertrauensvoll an mich
gekuschelt hat, obwohl ich ein wildfremder Mensch für ihn war,
hätte in einem Desaster geendet.

Ein Fehler, der kaum wieder gut zu machen ist.

Das erste zarte Band des Vertrauens wäre auf einen Schlag zerstört, weil er 
Ablehnung und Zurückweisung erfahren hätte, in dem Moment wo er mir
sein Herz geöffnet hat.
Er hat sich so gefreut mich zu entdecken und wollte mir weder
wehtun geschweige denn mich verletzen.
Zum wiederholten Male raus gerissen aus seiner vertrauten Umgebung,
wollte er einfach nur sagen:
Jippih dich kenne ich, schön das du da bist.

Klar kann und soll er lernen sanfter und vorsichtiger zu sein
und das wird er auch.
Fortschritte sind nach fast 4 Wochen deutlich erkennbar.
Kaum noch blaue Flecken und Pflaster schon gar nicht.
Doch dazu brauchten wir die Hilfe eines Profis!

Wer oder was ganz maßgeblich an dieser schnellen positiven Entwicklung
beteiligt war, lesen sie demnächst.

Fortsetzung folgt

 

 

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Eine Antwort auf Rupert Tagebuch Kapitel 1

  1. Danke, dass du mich in diesen ersten Moment mit deinem Hund mitgenommen hast. Sehr packend geschrieben und gleichzeitig mit einem Tipp, "wie es geht" und wie eine Hundeseele so "tickt". Merci!

    Lesenswert.

    Herzensgruß

    Sabine

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